Yumis Tagebuch
Berlin, meistens. Manchmal auch woanders.
Der Dienstagmarkt und der Schwan
Dienstags riecht das Maybachufer nach frischen Tomaten, gegrilltem Halloumi und den Neuigkeiten der Hunde aus Neukölln. Ich lese die Nachrichten an den Laternenpfählen – ausführlicher als Papi seine Zeitung. Er weiß nicht, was er verpasst.
Heute saß ein Schwan am Kanalufer. Nicht ängstlich, nicht neugierig. Einfach da. Er hat mich angeschaut. Ich habe ihn angeschaut. Nach ungefähr dreißig Sekunden hat er sich abgewandt. Remis, würde Papi sagen.
Regen ist kein Argument
Papi wollte heute wegen Regen nicht raus. Ich habe ihn vom Sofa aus angeschaut. Nicht mit dem Pudelblick – der ist für besondere Anlässe. Nur mit dem normalen Blick, aber fest und lange.
Nach vier Minuten stand er auf und holte seinen Mantel. In der Hasenheide schien dann sogar die Sonne. Manchmal muss man führen, auch wenn man der Kleinere ist.
Das größte Nichts der Stadt
Ein ehemaliger Flughafen. Jetzt Wiese. Man sieht den Horizont, was in Berlin sonst nirgendwo geht. Papi erzählte mir, dass von hier früher die Rosinenbomber starteten – Flugzeuge, die nach dem Krieg Essen in die eingesperrte Stadt brachten. Ich habe das nicht ganz verstanden. Aber ich verstand: Dieser Boden hat Geschichte.
Ich lief und lief, und der Horizont blieb immer gleich weit weg. Philosophisch, das.